Jahrestagung 2017 der Transferstelle politische Bildung 

Gemeinsam stärker!? Kooperation zwischen außer-
schulischer politische Bildung und Schule

Das Forum Eltern und Schule war Kooperationspartner der Jahrestagung 2017 der Transferstelle politische Bildung. Im Fokus der Tagung stand die Kooperation zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule. Nachfolgend geben wir die Presse­information zur Tagung mit freundlicher Genehmigung der Transferstelle politische Bildung wieder: 

»Essen, 14.12.2017. „Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule“ – unter diesem Titel diskutierten am 20. und 21. November 2017 Wissenschaftler_innen, Praktiker_innen und weitere Multiplikator_innen der politischen Bildung bei der Jahrestagung der Transferstelle politische Bildung in Bochum. In Vorträgen, einer Podiumsdiskussion, 15 Transferdialogen und sechs Thementischen wurde das Thema aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven und vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Praxis aus Schule und außerschulischer politischer Bildung diskutiert und Zukunftsvisionen entwickelt. 

Die Fachtagung fand in Zusammenarbeit mit der Juniorprofessur Didaktik der sozial­wissen­schaftlichen Bildung der Fakultät für Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. und dem Forum Eltern und Schule statt. 

Dr. Helle Becker, Leiterin der Transferstelle politische Bildung, machte bereits in der Begrüßung deutlich, dass politische Bildung nicht nur nötiger denn je sei, sondern auch sichtbarer gemacht werden müsse. Die Zusammenarbeit von außerschulischer politischer Bildung und Schule biete Potenzial, das Feld der politischen Bildung besser auszustatten und zu verbreitern. 

Zusammenarbeit von Schule und außerschulischer Jugendbildung. Diskussionen, Herausforderungen und Perspektiven 

Im Eröffnungsvortrag sprach Prof. Dr. Ivo Züchner von der Philipps-Universität Marburg und Mitglied im Expert_innenrat der Transferstelle politische Bildung zunächst darüber, wie sich die Zusammenarbeit von Schule und außerschulischen Trägern der Jugendarbeit und Jugendbildung entwickelt hat. Auf Grundlage empirischer Erkenntnisse skizzierte er darauf aufbauend Herausforderungen und zentrale Problemstellungen. Durch sein Mitwirken sowohl am 15. Kinder- und Jugendbericht als auch an der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) konnte er eine Doppelperspektive auf das Thema einnehmen. 

Mit Blick auf den 15. Kinder- und Jugendbericht wies er darauf hin, dass politische Bildung wieder auf der Agenda stehe. Auf politischer Ebene gebe es inzwischen einen Konsens darüber, dass außerschulische Jugendbildung und Schule miteinander kooperieren sollten und ebenso bezüglich der Anerkennung von non-formaler Bildung. Er machte aber auch deutlich, dass das Feld der politischen Bildung sich weiterentwickeln und in anderen Bereichen der Jugendarbeit populärer gemacht werden müsse. 

Problemlinien und Herausforderungen – Erkenntnisse aus der Forschung 

Als zentrale Problemlinien der Zusammenarbeit stellte er die Unterschiedlichkeit der Partner hinsichtlich Ressourcen, Größe und Werten und dem damit zusammenhängenden unterschiedlichen Stellenwert von Kooperation heraus. Als Herausforderungen für die Zukunft hob er die Frage nach einer systematischen Herangehensweise an Kooperation hervor, die sehr begrenzte Einbindung außerschulischer Partner in Schulstrukturen und die vielen parallelen Herausforderungen, vor der jede einzelne Schule steht. Er hielt fest, dass es bisher an einer gemeinsamen und systematischen Entwicklung von umfassenden Lernsettings im Kontext von non-formalen und informalen Lernformen fehlt. „Wenn wir von einer tiefgehenden Kooperation mit der außerschulischen Jugendbildung sprechen, ist auch das ein Schulentwicklungsprozess“, so Prof. Dr. Ivo Züchner. 

Gelingensbedingungen und Perspektiven 

Im Anschluss an weitere empirische Befunde identifizierte er abschließend Gelingensbedingungen und zeigte Perspektiven auf. Auf institutioneller Ebene spiele die Schulleitung eine zentrale Rolle. Zudem fördere das Interesse an einer schulischen Profilbildung die Offenheit und Kooperationsbereitschaft gegenüber außerschulischen Partnern deutlich. Auch die Einbindung von Schüler_innen in die Ganztagsgestaltung habe nachweislich eine positive Wirkung auf die Entstehung von Kooperationen. Als einen zentralen Faktor für das Gelingen von Kooperationen betonte er allerdings die Bedeutung von Räumen und „Vernetzungszeiten“ in Schulen, in denen sich Menschen verschiedener Professionen und Trägerschaften begegnen, kennenlernen und austauschen können. 

Mit Blick auf die Zukunft warf er die Frage auf, wie die außerschulische politische Bildung verbandsübergreifend regionale Anlaufstellen für Schulen schaffen könne, damit Kooperationen nicht nur über persönliche Bekanntschaften entstehen. 

Gemeinsam stärker!? Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule – Befunde und Fragen 

Dr. Helle Becker, Leiterin der Transferstelle politische Bildung, ging, anknüpfend an den Vortrag von Prof. Dr. Ivo Züchner, spezifischer auf das Feld der politischen Bildung ein. Sie machte deutlich, dass es im Unterschied zu anderen Bereichen der Jugendarbeit und Jugendbildung in der politischen Bildung bisher an einem breiten Fachdiskurs zu Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule fehle. Eine Ursache hierfür sieht sie in den fehlenden Austauschmöglichkeiten der beiden Felder. Die unterschiedlichen Entwicklungen zu anderen Bereichen spiegele sich auch in der Förderung wieder. Dies veranschaulichte sie anhand eines Beispiels: Während sich in der politischen Bildung bundesweit bisher nur drei Modellprojekte finden ließen, stünde der kulturellen Bildung z. B. mit „Kultur macht stark“ ein großes bundesweites Förderprogramm für Kooperationen zur Verfügung. 

Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Sie machte aber auch deutlich, dass aufgrund der letzten politischen Entwicklungen politische Bildung mehr Aufmerksamkeit erhalte. Dies spiegele sich beispielsweise im 15. Kinder und Jugendbericht oder in Förderprogrammen wie „Demokratie leben“ wider. „Wir brauchen mehr und eine bessere politische Bildung“, forderte Dr. Helle Becker und zeigte auf, dass es aktuell gute Voraussetzungen gibt für die Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Partnern. Hierzu zählte sie auch die Fülle und den Mehrwert bereits vorhandener Kooperationen mit Schulen und Schulinitiativen, beispielweise zum Thema Demokratiebildung, deren Bandbreite und Möglichkeiten sie ausführlich darstellte. 

Das Feld der politischen Bildung ist sehr vielfältig 

Sie präsentierte außerdem erste Ergebnisse einer nichtrepräsentativen Umfrage der Transferstelle der politischen Bildung zum Thema Kooperationen, die noch bis Ende 2017 läuft. Die Ergebnisse bestätigen bisherige Erkenntnisse. Sie zeigen aber auch deutlich, wie vielfältig die Akteure der politischen Bildung sind und dass auch außerhalb von Trägerstrukturen eine Vielzahl außerschulischer Partner arbeiten. 

Wir brauchen eine gemeinsame Plattform! 

Diese Diversität des Feldes in Kombination mit fehlenden Austauschplattformen könne ein Grund für das Fehlen eines breiten Fachdiskurses zum Thema Kooperationen zwischen schulischen und außerschulischen Partnern sein, so Dr. Helle Becker. So gäbe es beispielsweise sehr unterschiedliche Verständnisse darüber, was genau unter politischer Bildung zu verstehen sei. Auch würden Begrifflichkeiten wie „Demokratiepädagogik“ oder „Demokratieerziehung“ sehr verschieden genutzt, hier würden in der Praxis verschiedenen Konzepte nebeneinander existierten. Ebenso sieht sie Bedarf an einem Austausch über fachliche Fragen oder Unterschiede zwischen schulischer und außerschulischer politischer Bildung, wie die Frage nach Parteilichkeit oder das Hinterfragen von Macht- und Herrschaftsstrukturen. 

Politische Bildung ist nicht nur wenig sichtbar, sie leidet auch unter einem Imageproblem 

Dr. Helle Becker stellte in ihrem Vortrag ebenso die Frage nach der Identität und Professionalität der außerschulischen Partner, weil diese für Schulen, Eltern, aber auch die Wissenschaft nicht immer erkennbar seien. Sie warf die Frage auf, ob vielleicht manche außerschulische Partner sicherheitshalber in einer Dienstleisterposition bleiben, um in der Schule nicht als Störfaktor zu gelten und gab zu bedenken, dass das zwar für die Zusammenarbeit förderlich sein könne, es aber auch die Identifizierbarkeit dessen erschwere, was beide Seiten erwarten können. Sie hielt schließlich fest: „Politische Bildung ist nicht nur wenig sichtbar, sie leidet auch unter einem Imageproblem“. Um dem entgegenzuwirken sei es an der Zeit, darüber zu sprechen, welchen Mehrwert Kooperationen zwischen Schule und außerschulischer politischer Bildung haben können, wie diese dafür gestaltet werden müssen und welche langfristigen Perspektiven die politische Bildung in und außerhalb von Schule damit eingehen möchte. 

Wenig Forschung zu Kooperationen zwischen außerschulischer politischer Bildung und Schule 

Abschließend präsentierte Dr. Helle Becker die Ergebnisse der Recherche der Transferstelle politische Bildung bezüglich empirischer Forschungsarbeiten zum Tagungsthema und wies auf die großen Leerstellen und Forschungslücken hin. Die meisten Arbeiten bezögen sich auf Kooperationen von Schule mit der Kinder- und Jugendhilfe, viele davon auf Erfahrungen im Ganztag. Sie ergänzte in Anknüpfung an den Vortrag von Prof. Dr. Ivo Züchner Chancen und Schwierigkeiten für Kooperationen, die sich aus den Arbeiten ableiten lassen. 

Seit 2005 gäbe es nur 25 Arbeiten direkt zur politischen Bildung und dabei handele es sich zudem überwiegend um Projektevaluationen, die in der Regel keine Anhaltspunkte für Verallgemeinerungen böten. Es gäbe außerdem nur wenige Forschungen aus Schulperspektive und überhaupt keine zu strukturellen Bedingungen oder fachlichen Positionen. 

Viel Raum für Austausch 

Die Transferdialoge boten den Teilnehmenden aus Wissenschaft und Praxis, Schule und außerschulischer politischer Bildung als Kern der Fachtagung viel Raum, um sich zunächst in zwei Runden untereinander auszutauschen, Forschungsergebnisse und Bildungspraxis in ein Verhältnis zu bringen und ganz neue Fragen entwickeln zu können. Die Themenvielfalt der Transferdialoge reichte von Schulentwicklung und Möglichkeiten des Ganztags über Kooperation mit dem Unterricht und die Rolle von außerschulischen Lernorten in Kooperationen und Kooperationslandschaften bis hin zu der Frage nach fachlichen Gräben. Auch wenn Dr. Helle Becker eingangs darauf hinwies, dass es sich um „eine Labortagung und keine Ergebnistagung“ handele, gab es in einer dritte Runde der Transferdialoge dennoch die Möglichkeit, die Themen auf eine nächste Stufe zu heben, Schlussfolgerungen zu ziehen und eine Vision für 2030 zu entwickeln. 

Aus anderen Bereichen der Jugendbildung lernen 

Eine weitere Möglichkeit zum Austausch boten am zweiten Tag sechs Thementische, an denen sich die Teilnehmenden über erfolgreiche Austauschplattformen oder Anlauf- und Koordinationsstellen aus anderen Bereichen der Jugendbildung informieren und dazu austauschen konnten. 

Bevor es in die abschließende Podiumsdiskussion ging, bot „Emscherblut“ den Teilnehmenden eine grandiose Improvisationstheater-Show, in der die Schauspieler_innen immer wieder Aspekte der Diskussionen der Tagung einfließen ließen und so den Teilnehmenden mit hohem Unterhaltungswert einen Spiegel vorhielten. 

Wie gemeinsam stärker? 

Zum Abschluss der zweitägigen Fachtagung diskutierten auf dem Podium Sebastian Bock, stellvertretender Geschäftsführer und Referent für Jugend- und Fortbildung beim Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), Thorsten Obel, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Lars Meyer, Mitglied des Leitungsteams „Forum Eltern und Schule„, Prof. Dr. Andreas Thimmel, Professor an der TH Köln, Christoph Schlagenhof, Vorsitzender der Landesgruppe NRW in der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik und Dr. Helle Becker, Leiterin der Transferstelle politische Bildung, darüber, was es für eine gute Zusammenarbeit zwischen außerschulischen und schulischen Partnern braucht. Einig war man sich darin, dass die Tagung wichtige Anregungen für eine Fortsetzung der Diskussion zum Thema Kooperationen bot. Dr. Helle Becker stellte in Aussicht, dass die Transferstelle politische Bildung das Thema auch weiterhin verfolgen wird.« 

 

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